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Gründung

Startfinanzierung planen: Eigenkapital, Darlehen und Förderinstrumente mit Beträgen

Die Finanzierung entscheidet über die Handlungsfähigkeit in den ersten Monaten nach der Gründung. Welche Quellen passen, hängt von Rechtsform, Geschäftsmodell und Zielen ab.

Worum es bei der Startfinanzierung geht

Die Finanzierung entscheidet über die Handlungsfähigkeit in den ersten Monaten nach der Gründung. Welche Quellen passen, hängt von Rechtsform, Geschäftsmodell und Zielen ab.

Nach der Herkunft der Mittel unterscheidet man Innen- und Aussenfinanzierung. Kapital entsteht entweder aus der betrieblichen Leistungserstellung oder kommt von aussen über den Kredit- oder Kapitalmarkt.

Eigenkapital stammt von den Eigentümerinnen und Eigentümern oder aus einbehaltenen Gewinnen. Fremdkapital wird dem Unternehmen von Dritten für eine bestimmte Zeit leihweise überlassen.

In der Anfangsphase sind Gewinnrückbehalt, Abschreibungen und Rückstellungen als Innenfinanzierung kaum verfügbar. Darum gewinnt die Aussenfinanzierung an Bedeutung; Jungunternehmen sind bei der Suche häufig auf Familie oder Bekannte angewiesen.

Der Finanzbedarf verändert sich mit der Unternehmensentwicklung, und damit meist auch die Herkunft der Gelder. Beziehungen und Vertrauen zu Banken und Investoren müssen zuerst aufgebaut werden.

Zuerst den Kapitalbedarf klären

Der Kapitalbedarfsplan ist der erste Schritt der Unternehmensfinanzierung. Er berücksichtigt die voraussichtlichen Geldquellen und Finanzierungskosten und bildet die Grundlage des Finanzierungsplans im Businessplan.

Zu den Vorbereitungskosten gehören Anmelde- und Genehmigungsgebühren sowie Berater- und Notarhonorare. Diese Kosten fallen bereits vor der Geschäftseröffnung an.

Die grössten Investitionen entfallen meist auf die Anlaufphase. Zum Anlagevermögen zählen beispielsweise Immobilien, Grundstücke, Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge, Ladenbau und Büroeinrichtungen.

Zum anfänglichen Umlaufvermögen gehören laufende Betriebskosten wie Löhne und Gehälter, Wareneinkauf und Verwaltung. Die Umsätze der ersten vier bis sechs Monate reichen in der Regel nicht aus, um diese Kosten zu decken.

Häufig wird vergessen, den eigenen Lebensunterhalt in der Startphase zu sichern. Ohne präzise Kapitalbedarfsplanung lassen sich die Risiken kaum abschätzen; geht das Geld aus, droht die Insolvenz.

Der Finanzplan zeigt, wie sich Ausgaben, Einnahmen, Liquidität und Erträge über die nächsten Jahre entwickeln könnten. Er dient als Grundlage für Bankgespräche, Förderanträge und Gespräche mit Investorinnen und Investoren.

Schritte zur Planung der Startfinanzierung

  1. Kapitalbedarfsplan erstellenBerücksichtigung von Gründungskosten, Anlage- und Umlaufvermögen sowie persönlicher Lebenshaltungskosten
  2. Finanzierungsquellen identifizierenEigenkapital, Darlehen, Fördermittel, Business Angels, Crowdfunding
  3. Anträge stellen (Förderprogramme, Bürgschaften)Frühzeitige Prüfung der Voraussetzungen; Zusammenarbeit mit Beratern empfohlen
  4. Businessplan und Finanzplan vorbereitenFür Bankgespräche, Investorinnen und Investoren sowie Förderanträge
  5. Finanzierungsmix anpassen und überwachenRegelmässige Überprüfung des Finanzplans; Anpassung bei Veränderungen

Eigenkapital: eigene Mittel und Bootstrapping

Als Eigenmittel gilt das Geld, das Gründerinnen und Gründer selbst in das Unternehmen einbringen. Es ist eine häufige und einfache Finanzierungsquelle und stärkt das Vertrauen von Banken und Investorinnen und Investoren.

Das gesetzlich vorgeschriebene Mindestkapital beträgt bei einer Aktiengesellschaft mindestens 100'000 Franken. Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung sind es mindestens 20'000 Franken.

Bootstrapping bedeutet, das Unternehmen mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Gründerinnen und Gründer behalten die Kontrolle, zahlen keine Zinsen und müssen keine Rückzahlungen leisten.

Persönliche Ersparnisse sind begrenzt und können vollständig verloren gehen. Zudem wächst das Unternehmen mit weniger Kapital oft langsamer, während die finanzielle Belastung der Gründerpersonen hoch bleibt.

Ein hoher Eigenkapitalanteil wirkt sich günstig auf die Bonität und damit auf die Konditionen eines Kredits aus. Mittelfristig ist Fremdkapital jedoch die günstigere Finanzierungsform.

Vor- und Nachteile der Finanzierungsquellen

  • Eigenkapital (Bootstrapping)Keine Zinsen, volle Kontrolle, stärkt Bankvertrauen – aber Risiko des eigenen Vermögens, langsames Wachstum
  • BankdarlehenGünstige Konditionen bei guter Bonität – aber Sicherheiten nötig, oft langwieriger Prozess
  • BürgschaftenErleichtert Zugang zu Krediten – aber Verantwortung für die Bürgschaftsträgerin oder den Bürgen
  • Business Angels & Venture CapitalErfahrung, Netzwerk, hohe Summen – aber Verlust an Kontrolle, Due Diligence
  • CrowdfundingMarkttest, breite Unterstützung – aber Aufwand für Kampagne, Risiko des Misslingens
  • FördermittelGünstig, oft nicht rückzahlbar – aber zweckgebunden, lange Bearbeitungszeiten

Bankdarlehen, Bürgschaften und private Darlehen

Banken bieten verschiedene Darlehen an: Der Kontokorrentkredit dient als flexible Liquiditätslösung, der Investitionskredit finanziert Anlagen und Ausstattung, der Betriebsmittelkredit laufende Kosten.

Für einen Bankkredit braucht es in der Regel einen überzeugenden Businessplan mit realistischer Finanzplanung. Banken prüfen die Bonität und stützen sich dabei meist auf den Businessplan; bei einem Betriebskredit prüft etwa die BEKB Businessplan und Bonität.

Die Konditionen richten sich nach dem individuellen Risiko. Je nach Bonität werden Zinssätze zwischen 2 und 8 Prozent genannt.

Fremdkapital eignet sich nicht zur Finanzierung des gesetzlich erforderlichen Gründungskapitals einer GmbH oder AG; dieses muss als Eigenkapital eingebracht werden. Nach der Gründung kann ein Kredit Liquidität sichern, Betriebsmittel finanzieren oder erste Investitionen ermöglichen.

Fehlen ausreichende Sicherheiten, kann eine Bürgschaft den Zugang zu einem Bankkredit erleichtern. Die vier vom Bund anerkannten Bürgschaftsgenossenschaften sind BG OST-SÜD, BG Mitte, Cautionnement romand und BG SAFFA für Frauen.

Die Genossenschaften verbürgen Kredite bis zu 1 Million Franken; der Bund deckt bis zu 65 Prozent ihres Verlustrisikos. Bürgschaftsgesuche sind direkt bei der zuständigen Genossenschaft einzureichen.

Für ein Gesuch wird das Formular der zuständigen Bürgschaftsgenossenschaft ausgefüllt und eingereicht. Nach einer ersten Prüfung kann ein persönliches Gespräch folgen; anschliessend werden Gesuch und Voraussetzungen geprüft.

Darlehen von Familie oder Bekannten sind eine Alternative, wenn die Kreditfähigkeit in der Startphase noch fehlt. Häufig sind sie zinsfrei oder werden zu einem tiefen Zins gewährt; Rückzahlung, Verzinsung und weitere Konditionen sollten vertraglich festgehalten werden.

Wenn Anteile ins Spiel kommen: Business Angels und Venture Capital

Business Angels sind Privatpersonen, die Kapital und oft auch Erfahrung in junge Unternehmen einbringen. In der Schweiz gibt es einige Hundert aktive Business Angels; viele sind in Clubs organisiert.

Zu den genannten Netzwerken gehören Business Angels Switzerland, Zürich Business Angels, Venture Kick und Wingman. Typische Investitionssummen von Business Angels liegen zwischen 25'000 und 500'000 Franken.

Neben Geld bringen Business Angels Branchenerfahrung, Mentoring und Zugang zu ihrem Netzwerk ein. Sie entscheiden häufig schnell.

Risikokapitalgeber beteiligen sich an wachstumsstarken Start-ups und erhalten dafür in der Regel Unternehmensanteile. Die Finanzierung erfolgt oft in mehreren Phasen.

Für eine Seed-Finanzierung werden 100'000 bis 1 Million Franken für Produktentwicklung und Markttest genannt. Der Anteil liegt bei 10 bis 30 Prozent, der Zeitrahmen bei 12 bis 24 Monaten.

Ab der Series A und in späteren Runden steigen die Finanzierungsvolumen auf 1 bis 50 Millionen Franken. Die Anteile liegen dann bei 20 bis 50 Prozent.

Beteiligungskapital bedeutet einen Verlust an Kontrolle. Hinzu kommt die intensive Prüfung des Unternehmens durch die Investoren im Rahmen der Due Diligence.

Crowdfunding und Crowdlending

Beim belohnungsbasierten Crowdfunding erhalten Unterstützende Produkte oder Dienstleistungen. Kickstarter und Indiegogo sind genannte Plattformen; die Volumen liegen zwischen 5'000 und 500'000 Franken.

Eine Crowdfunding-Kampagne kann das Marktinteresse für ein Produkt testen. Ihre Durchführung ist jedoch mit Aufwand verbunden.

Beim Beteiligungs-Crowdfunding erhalten Investorinnen und Investoren Unternehmensanteile. Als Plattformen werden Swisspeers und Lendico genannt; die Volumen liegen zwischen 100'000 und 2 Millionen Franken.

Crowdlending ist eine Form der Kreditfinanzierung. Das Unternehmen erhält Kapital leihweise, das über eine Plattform von vielen Geldgeberinnen und Geldgebern aufgebracht wird.

Belohnungsbasiertes Crowdfunding eignet sich für Vorhaben mit einem präsentierbaren Produkt, bei denen die Kampagne zugleich als Markttest dient. Beteiligungs-Crowdfunding passt zu Vorhaben mit grösserem Kapitalbedarf, wenn dafür Anteile abgegeben werden können.

Förderinstrumente von Bund und Kantonen nutzen

Der Bund unterstützt Unternehmen unter anderem mit dem SECO Start-up Fund; auch Investitionszuschüsse kommen infrage. Fördermittel sind oft günstiger als Kredite und teilweise nicht rückzahlbar.

Für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bietet Innosuisse bis zu 50 Prozent Projektfinanzierung. Förderprogramme sind häufig zweckgebunden und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Programme unterstützen Innovationen, Investitionen in erneuerbare Energien und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Projekte zur Reduktion des CO2-Ausstosses werden prioritär unterstützt; KMU stehen wegen höherer Kapitalbeschaffungsrisiken im Fokus vieler Programme.

Kantonale Programme ergänzen die Förderung des Bundes. Im Rahmen der Neuen Regionalpolitik können Kantone industriellen Unternehmen und produktionsnahen Dienstleistungsbetrieben in strukturschwachen regionalen Zentren Steuererleichterungen gewähren.

Die Voraussetzungen sollten frühzeitig geprüft werden, damit passende Programme rechtzeitig berücksichtigt werden können. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratern erhöht die Erfolgsquote bei der Antragstellung erheblich.

Den passenden Finanzierungsmix zusammenstellen

Unternehmen werden in der Regel mit einer Mischung aus Eigenkapital, Fremdkapital und Fördermitteln finanziert, gegebenenfalls ergänzt durch Zuschüsse. Die passende Kombination hängt von Rechtsform, Geschäftsmodell und Zielen ab.

Darlehen aus Förderprogrammen müssen vor der Gründung beantragt werden und eignen sich nicht als Notfallfinanzierung. Ist das Geld in der Startphase aufgebraucht, sind Förderstellen und Banken zurückhaltend.

Kapitalbedarf und verfügbare Mittel sollten laufend überprüft und der Finanzierungsplan bei Bedarf angepasst werden. Erste Kunden können bereits in Sicht sein, während der Break-even-Point noch in der Ferne liegt.

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