
Partnerschaften
Forschungspartnerschaften mit Hochschulen: Welche Förderinstrumente nutzen KMU?
Innosuisse ist die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung.
Forschungspartnerschaften: Was KMU davon haben und wo sie ansetzen
Innosuisse ist die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung. Sie fördert KMU, Start-ups, Forschungsinstitutionen und andere Schweizer Organisationen bei ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und erleichtert die Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Für ein KMU bedeutet eine solche Partnerschaft Zugang zu wissenschaftlichem Know-how, zu Kompetenzen und zu Laborinfrastrukturen, die es selbst nicht vorhält. Dazu kommt der Nutzen aus dem Netzwerk des akademischen Partners.
Anders als in den allermeisten europäischen Ländern leistet die Schweiz grundsätzlich keine Direktzahlungen an Unternehmen. Innosuisse beteiligt sich an der Finanzierung von Kooperationsprojekten zwischen Unternehmen und ihren akademischen Partnern und deckt die direkten Projektkosten, die bei Schweizer Forschungseinrichtungen anfallen.
Der Innovationsscheck: der niederschwellige Einstieg für kleine Firmen
Der Innovationsscheck richtet sich an KMU und andere kleine Organisationen. Sie erhalten eine Gutschrift für die Durchführung einer Vorstudie und können ihre innovative Idee mit Hilfe eines Schweizer Forschungspartners testen.
Das Instrument ist bewusst niederschwellig angelegt: Es dient dem Testen einer Idee, nicht dem Aufsetzen eines grossen Projekts. Wer zunächst eine Vorstudie braucht, muss nicht gleich ein volles Innovationsprojekt beantragen.
Das Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner als Kerninstrument
Beim Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner beantragen Unternehmen oder Organisationen finanzielle Unterstützung. Sie entwickeln zusammen mit einem Forschungspartner neuartige Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren.
Innosuisse investiert jährlich rund 270 Millionen Franken in Wissens- und Technologietransferprojekte. 2021 wurden Förderbeiträge von rund 190 Millionen Franken ausbezahlt.
Für kleinere Firmen ist das Instrument zentral: Bei vier von fünf Projekten sind KMU beteiligt.
Neben der finanziellen Entlastung profitieren beteiligte Firmen vom Netzwerk des akademischen Partners. Das Projekt bietet zudem Gelegenheit, Fachkräfte zu rekrutieren. Rund 15 Prozent aller beteiligten Unternehmen stellten Personal aus den involvierten Hochschulen ein.
Vergleich der Förderinstrumente für Forschungspartnerschaften mit Hochschulen
- Innovationsprojekte ohne Umsetzungspartner
- Für Forscherinnen und Forscher, die eigenständig Ideen weiterentwickeln wollen
- Flagship-Initiative
- Systemische, transdisziplinäre Innovationen mit mehreren Partnern
- BRIDGE
- Unterstützung bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte/Dienstleistungen
- Start-up-Innovationsprojekte
- Markteintritt eines wissenschaftsbasierten Start-ups
- Swiss Accelerator
- Übergangsmassnahme für Horizon Europe; Beschleunigung des Wachstums etablierter KMU/Start-ups
Weitere nationale Instrumente im Überblick
Innovationsprojekte ohne Umsetzungspartner richten sich an Forscherinnen und Forscher, die allein eine aus ihrer Forschungsarbeit hervorgegangene Idee mit hohem Marktpotenzial weiterentwickeln wollen.
Die Flagship-Initiative passt für Vorhaben mit mehreren Partnern, die systemische und transdisziplinäre Innovationen als Lösungen für aktuelle oder zukünftige Herausforderungen entwickeln.
BRIDGE, ein Programm von Innosuisse und dem Schweizerischen Nationalfonds, unterstützt junge und erfahrene Forschende, die ihre Forschungsergebnisse in Produkte und Dienstleistungen umsetzen.
Start-up-Innovationsprojekte begleiten den Markteintritt: Das Start-up führt allein ein wissenschaftsbasiertes Projekt mit bedeutendem Innovationspotenzial durch.
Der Swiss Accelerator ist eine Übergangsmassnahme für Horizon Europe. Er beschleunigt das Wachstum eines bereits auf dem Markt etablierten KMU oder Start-ups.
Ohne Fördergesuch: direkt finanzierte Forschungszusammenarbeit
Unternehmen können gemeinsame Projekte mit einer Hochschule direkt finanzieren. Ein Antrag bei einer Förderinstitution entfällt; das Projekt kann schnell gestartet werden.
Die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen werden über Forschungsverträge geregelt. Für die Suche nach den richtigen Ansprechpersonen an der Hochschule unterstützt das Team von ETH Industry Relations.
Vorteile und Herausforderungen der direkten Finanzierung von Forschungszusammenarbeit
- Vorteile
- Kein Antrag erforderlich; schneller Projektstart; klare rechtliche Rahmenbedingungen via Forschungsvertrag
- Herausforderungen
- Erheblicher administrativer Aufwand für Vertragsabschluss; keine staatliche Unterstützung; hohe Eigenbeteiligung nötig
Internationale Förderung und europäische Programme
Forschungskooperationen lassen sich auch international fördern. Forschende und Firmen können als einzelner Teilnehmer – als sogenannter Mono-Begünstigter – oder als Mitglied eines Konsortiums mit Teilnehmern aus der Industrie und dem akademischen Bereich mitwirken.
Die Programme sind entweder mit vordefinierten Themen (top-down) oder mit offenen Themen (bottom-up) ausgeschrieben. Der Schwerpunkt liegt je nach Programm auf frühen Produktentwicklungsphasen oder auf der Marktreife und der Expansion in neue oder grössere Marktsegmente (Scaling-up).
Das ETH Grants Office informiert, berät und unterstützt Forschende aller Stufen bei der Einwerbung und Verwaltung von kompetitiven nationalen und internationalen Forschungsgeldern und fungiert als lokale Euresearch-Regionalstelle.
Den passenden Forschungspartner finden
Die Suche nach dem geeigneten akademischen Partner kann eine Hürde sein. KMU können bei Innosuisse kostenlos die Unterstützung eines der 21 akkreditierten Innovationsmentoren beantragen.
Viele Unternehmen kommen über lokale, kantonale oder regionale Innovationsförderstellen erstmals mit dem Förderangebot in Kontakt. Das können kantonale Wirtschaftsförderstellen sein, aber auch Transferstellen von Fachhochschulen und Universitäten.
Die Schweizer Hochschullandschaft ist breit gefächert: elf Universitäten, sieben Fachhochschulen und der ETH-Bereich. Regionale Anlaufstellen wie das Hightech Zentrum Aargau weisen den KMU den Weg. Drei der von Innosuisse akkreditierten Innovationsmentoren sind auch für das Hightech Zentrum Aargau tätig.
Top 3 regionale Anlaufstellen für Forschungspartnerschaften in der Schweiz
- Hightech Zentrum AargauRegionale Förderstelle mit direktem Zugang zu drei akkreditierten Innovationsmentoren von Innosuisse
- Kantonale WirtschaftsförderstellenGebietsspezifische Beratung und Netzwerkanschlüsse für KMU
- Transferstellen der Fachhochschulen und UniversitätenSpezialisierte Beratung durch Hochschulpartner mit Expertise im Wissenstransfer
Aufwand, Voraussetzungen und realistische Erwartungen
Der zeitliche Aufwand für ein Gesuch lässt sich nicht in Stunden oder Tagen beziffern. Er hängt in hohem Masse davon ab, ob ein Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht hat und weiss, wo es mit seinem Produkt steht.
Der Projektantrag wird von den Hochschulen und den Industriepartnern gemeinsam eingereicht. Das Unternehmen wirkt also an einem Verfahren mit, das die Forschungsinstitution mitverantwortet.
Wer Unterstützung sucht, braucht zuerst einen akademischen Partner, der das Projekt mitträgt.
Warum sich die Zusammenarbeit regional auszahlt
Hochschulen sind mit regionalen Innovationssystemen idealerweise eng verknüpft und bieten damit einen Ansatzpunkt, um die Innovationskraft einer Region zu stärken.
Die klassische Rechnung über die direkte Wertschöpfung erfasst nur einen Teil der Wirkung. Über den Nachfragemultiplikator lösen Ausgaben weitere Zahlungsströme aus, bis Kaufkraft aus der Region abfliesst.
Die Universität St. Gallen bezifferte 2021 den Wertschöpfungsbeitrag aus dem eingesetzten Staatsbeitrag nach eigenen Angaben mit 284,2 Millionen Franken für den Kanton – ein Fünffaches des Einsatzes.
In der Schweiz herrscht allerdings oft nahezu Vollbeschäftigung. Die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze hat dann an sich keine hohe Priorität; entscheidend ist, die Produktivität einer regionalen Wirtschaft zu stärken.
Hochschulen wirken deshalb vor allem über die Angebotsseite: Sie befähigen Unternehmen und Arbeitskräfte, Wertschöpfung effizienter zu erbringen.
Steuerliche Förderung: eine Lücke im Schweizer Instrumentarium
Thomas Linder schrieb in «Die Volkswirtschaft» vom 1. Januar 2014, anwendungsorientierte und marktnahe Innovation durch Unternehmen werde in der Schweiz nur beschränkt gefördert. Damals war die Schweiz eines der wenigen OECD-Länder, die auf steuerliche Fördermassnahmen verzichteten.
Der Staat unterstützt stattdessen insbesondere die Grundlagenforschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs. Steuerliche Instrumente wären laut diesem Beitrag gerade für KMU wichtig.
In fünf Schritten zum passenden Förderinstrument
Erstens klären, wie weit die eigene Idee gediehen ist. Genügt eine Vorstudie, ist der Innovationsscheck der niederschwellige Einstieg.
Zweitens prüfen, ob ein grösseres Vorhaben ansteht: Für die Entwicklung neuartiger Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren mit einem Forschungspartner ist das Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner das passende Instrument.
Drittens die Alternative zur Förderung abwägen: direkt finanzierte Zusammenarbeit für einen schnellen Start ohne Antragsverfahren, internationale Programme für europäische Kooperationen.
Viertens den Forschungspartner suchen – über kantonale oder regionale Anlaufstellen, die Transferstellen der Hochschulen oder einen der 21 akkreditierten Innovationsmentoren von Innosuisse.
Fünftens das Gesuch gemeinsam mit der Hochschule einreichen und den eigenen Aufwand realistisch veranschlagen.
Fünf Schritte zum erfolgreichen Forschungspartner und passenden Förderinstrument
- Ideenreife prüfenGenügt eine Vorstudie? → Innovationsscheck
- Grobprojekt planenNeuartige Entwicklung mit Forschungspartner → Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner
- Alternativen abwägenDirekte Finanzierung oder internationale Programme (z. B. Horizon Europe)
- Forschungspartner findenÜber kantonale Stellen, Hochschultransferstellen oder Innovationsmentoren
- Gesuch gemeinsam einreichenMit Hochschule kooperativ eingereicht – realistischer Aufwand berücksichtigen


